AB-Mythos 6: ‚Weibliche ABs sind eigentlich selbst schuld‘

Für die meisten Menschen gilt in Sachen Flirten und Sex immer noch (zumindest so weit es sie persönlich betrifft): der Mann soll handeln, die Frau entscheidet, wie weit sie ihn handeln lässt. An diesen Rollenmustern hat sich auch durch Aufklärung und 68er-Bewegung offenbar nur wenig verändert. Wenn demnach die Entscheidungsgewalt größtenteils bei den Frauen liegt, müsste es doch für sie viel leichter sein, Sex zu bekommen als für Männer. Wie kann es also weibliche ABs geben?

In Wirklichkeit geht es selten nur darum, irgend eine Art von Sex zu haben. Viele männliche ABs nutzen z.B. Prostitutionsangebote ausdrücklich nicht. Sie sagen, es fühlt sich für sie unwürdig an, Sex nur gegen Bezahlung bekommen zu können. Oder es sei kein ‚echter‘ Kontakt, der sich von selbst ergeben hat. Oder andere Bedürfnisse wie emotionale Nähe, seelischer Austausch, Geborgenheit, Inspiration usw. werden da nicht befriedigt. Es geht offenbar um mehr als Rein-Raus.

Wenn das für viele Männer so ist, weshalb sollten diese Qualitäten Frauen dann nicht wichtig sein? Und so verzichten viele weibliche ABs lieber ganz auf Sex, als sich auf eine Begegnung einzulassen, die sich möglicherweise unwürdig, unecht, distanziert oder richtig gefährlich anfühlen würde.

Für AB-Männer ist die Hauptschwierigkeit, dass sie bei der Kontaktaufnahme möglichst souverän wirken sollen, um bei Frauen Erfolg zu haben. Das hat z.B. die Studie von Robin Sprenger eindrucksvoll gezeigt. Und so etwas ist natürlich nicht leicht, wenn bisher keine der Kontaktaufnahmen den gewünschten Erfolg gebracht hatte.

Aber auch Frauen kämpfen mit einem Widerspruch: sie sollen beim erotischen Prozess Tempo und Richtung dosieren, indem sie bestimmen, was sie zulassen und was nicht. Wenn es zum Sex kommen sollte, sollen sie sich trotzdem entspannen und der Lust hingeben können. Auch nicht leicht.

Und so besteht für Männer wie für Frauen genau die selbe Aufgabe: zu lernen, wie man gut miteinander in Kontakt kommen kann. Wie man sich selbst so zeigen kann wie man wirklich ist. Wie man den anderen hinter seiner Alltagsmaske kennen lernen kann. Und das ist ein Lern- und Übungsfeld für alle Menschen, Männlein wie Weiblein und ABs wie Normalos.